1884-1945: Die Gründungsära 'Wilhelm Dausch'
Achtzehnhundertvierundachzig ist das
Gründungsjahr des Turnvereins Gablenberg, der noch im selben
Jahr eine eigene Musikergruppe von knapp zehn Turnkameraden hervorbringt.
Zu Beginn beherrscht die kleine Gruppe um den damals 21-jährigen
Wilhelm Dausch gerade zwei Musikstücke. Doch die Musiker
sind unermüdlich und schon bald werden dem Turnverein die
Kosten für die Musikabteilung zu hoch.
So gründet sich 1886 ein eigenständiger
Musikverein: der "Musikverein Stuttgart-Gablenberg 1884 e.V.".
Die Proben finden Zuhause, später in den nahegelegenen Wirtshäusern
statt. Alsbald bedient man sich eines eigenen musikalischen Leiters.
1902 überreicht Wilhelm II., König vom Württemberg,
dem damaligen Dirigenten, Gottlob Mahle einen silbernen Taktstock
in Anerkennung seiner Dienste für die Musik. Der Erfolg spiegelt
sich in errungenen Preisen auf Wertungsspielen in der Mittelstufe
wieder. In der wechselhaften Geschichte greift Wilhelm Dausch
des öfteren selbst zum Taktstock.
Kurz vor dem ersten Weltkrieg umfasst
der Verein 18 aktive Musiker und nicht weniger als 110 Gönner
und Freunde, die das musikalische Wirken des Vereins mit Ihrer
passiven Mitgliedschaft unterstützen. Noch 1914 veranstaltet
der rührige Musikverein in Gablenberg ein Musikwettspiel
unter mehreren Kapellen. Und selbst während des Krieges pflegen
die verbliebenen Musiker ihr Hobby zusammen mit den Kollegen vom
ersten Cannstatter Musikverein. Nach Kriegsende 1918 wächst
der Musikverein Gablenberg unter maßgeblichem Engagement
von Wilhelm Dausch schnell von nur mehr acht auf knapp 50 Musiker
an. Der Verein spielt inzwischen auf Bundesebene in der Oberstufe.
1928 erweitert die aufgenommene Streichkapelle den Musikverein
zum Orchester.
Doch leider währt die Freude
nicht lange. Der Einfluss des Hitler-Regimes steigt unaufhaltsam.
Die
Musiker unterstellen sich aber nicht geschlossen der NSDAP Ortsgruppe,
woraufhin 1938 alle Instrumente beschlagnahmt werden. Sämtliche
Vereinsaktivitäten kommen damit zum erliegen. Mit Ende
des Krieges 1945 erwacht in Wilhelm Dausch erneut das Musikerherz.
Zunächst noch gemeinsam mit dem Musikverein Gaisburg, gliedert
Dausch den rechtlich nie gelöschten Musikverein Gablenberg
in die Sport- und Kulturgemeinschaft Gablenberg (SKG) ein.
Nach
zwei Kriegen und über 50 Jahren leitender Vereinstätigkeit
stirbt unser Gründungsvater Wilhelm Dausch im Jahre 1949.
Ihm gilt unsere besondere Achtung.
1950-1966: Wiederaufbau und Blütezeit
Bereits 1950 kann der Musikverein
Stuttgart-Gablenberg wieder "auf eigenen Beinen stehen", verlässt
nicht zuletzt aus organisatorischen Gründen die Obhut der
SKG und präsentiert sich fortan unter seinem ursprünglichen
Namen.
25 Mitglieder bringen das Vereinsleben
wieder in Schwung und in der neu entstandenen Jugendkapelle spielen
unter den 17 Personen erstmals sogar zwei Mädchen mit! Während
auf organisatorischer Seite die Vereinszeitschrift "Trompeter"
ins Leben gerufen wird und sich der Verein 1956 zum ersten mal
in Uniform präsentiert, steht auf der musikalischen Seite
der steile Aufstieg vom Niveau der Unterstufe bis zur Oberstufe.
Zahlreiche Preise von Wertungsspielen in dieser Zeit belegen die
musikalischen Erfolge. Diese zeugen seit jeher von hohem Einsatz
ehrenamtlicher Idealisten wie dem damaligen ersten Vorstand Karl
Hertner und den Dirigenten Schock und Kmoch, um nur einige zu
nennen.
1966-1983: Neufindung und weltweite Präsenz
Ein Wechsel des musikalischen Leiters
bedeutet immer auch einen Einschnitt für die Kapelle.
So sieht sich der neue Dirigent Holzer einem Häufchen von
15 Musikern gegenüber. Aus der Not eine Tugend machend, kommen
zur Besetzung passende Noten aufs Pult. Unter dem Namen "Gablenberger
Musikanten" stimmt der Musikverein Gablenberg jetzt volkstümlichere
Klänge an und erringt in der Umgebung einen beachtlichen
Bekanntheitsgrad.
In den 70er Jahren erleben die "Gablenberger
Musikanten" unter dem Dirigenten Karl Wolz und dem ersten Vorsitzenden
Horst Henzler eine einvergessliche Zeit. Dazu gehören Reisen
zu internationalen Musikwettspielen, wie zum Beispiel in die Niederlande.
Ein Höhepunkt ist auch das Gastspiel beim 100. Cannstatter
Volksfest in Chicago (USA). Beim Gegenpart zum Cannstatter Wasen,
veranstaltet vom Schwabenverein Chicago, ist der Musikverein Gablenberg
als Vertreter der Stadt Stuttgart entsandt.
1984: Hundert Jahre Musikverein Stuttgart-Gabelenberg
Unter reger Anteilnahme der Bevölkerung
finden im 1984 die Feierlichkeiten zum 100. Jubiläum unseres
Vereins statt. Auch die Regierung wird auf die munteren Gablenberger
aufmerksam. So würdigt der damalige Bundespräsident
Richard von Weizäcker die Arbeit unseres Vereins mit der
Ehrenplakette "Pro Musica" der Bundesrepublik Deutschland.
1983-1990: Die Jugend setzt sich durch
"Des einen Freud', des anderen Leid".
Damit lässt sich die Veränderung vielleicht am Besten
beschreiben, die das Gesicht des Musikvereins Gablenberg wenig
später entscheidend prägen soll: Vom Nachbarverein Gaisburg
wechselt der Jugendleiter samt zahlreicher Jungmusiker zum Musikverein
nach Gablenberg. Mit großem Engagement wird vom "neuen"
Dirigenten, Uwe Wolz, eine Jugendkapelle vorangetrieben, die unter
dem Namen "Jugend-Big-Band des Musikverein Gablenberg" auftritt.
Mit den Jahren entwickeln sich in
der Jugend Leistungsträger, die auch bei Auftritten der "Gablenberger
Musikanten", zusammen mit den bewährten Musikern, ihr Bestes
geben. Doch schon alleine wegen den unterschiedlichen musikalischen
Stilrichtungen möchten die jungen Leute ihrer Big Band treu
bleiben. So wächst mit der knapp 30 Frau und Mann starken
Jugend-Big-Band eine Musikgruppe heran, die den "Gablenberger
Musikanten" an Niveau und Besetzung schon bald in nichts nachsteht.
Neu aufgenommene Jugendliche werden jetzt in einer eigenen Anfängergruppe
betreut.
Auf der anderen Seite macht sich bei
den "Gablenberger Musikanten" zunehmend der hohe Altersdurchschnitt
bemerkbar. Nach und nach müssen immer mehr langjährige
Musikkammeraden ihr Instrument ruhen lassen, immer mehr Stimmen
bleiben unbesetzt, bis schließlich 19.. die letzte Probe
der bekannten "Gablenberger Musikanten" stattfindet. Damit geht
eine lange Ära mit Karl Wolz als musikalische Führungsspitze
zu Ende. Über 60 Jahre hat Karl Wolz die Geschicke des Musikvereins
Stuttgart-Gablenberg enzscheidend mit geprägt.
Als erster Vorsitzender und verbliebener
Aktiver aus den "Gablenberger Musikanten" hält Günther
Schuh mit seiner Frau der jungen Big Band in den Zeiten des Umbruchs
die Treue.
1991: Frischer Wind und fetziger Big Band Sound
Mit Jörg Gebhard als musikalischen
Leiter gewinnt der Musikverein Stuttgart-Gablenberg endlich den
fehlenden Stein im Mosaik. Beruflich am Big-Band-Schlagzeug des
Südwestrundfunks, setzt er nun bei der Big
Band in Gablenberg die richtigen Akzente. Eigene, maßgeschneiderte
Arrangements, schon bald auch mit Gesang, verleihen der Big Band
Ihren unverkennbaren Sound. Die dynamische Gruppe lernt schnell
und avanciert mit etwa 25 Musikern zum salonfähigen Unterhaltungsorchester.
CD- und Rundfunkaufnahmen, Fernsehauftritte
sowie Engagements bei zahlreichen öffentlichen Anlässen
sind die Früchte unermüdlicher Arbeit. Hierzu trägt
auch maßgeblich die Unterstützung der Zahntechniker-Innung
Württemberg als Sponsor bei. Aufritte, Aufnahmen
im Tonstudio und ein neues Outfit wurden so erst möglich
gemacht.
Heute umfasst das Repertoire der Big
Band mit weit mehr als 100 Titeln viele Stunden Unterhaltung.